Auftaktveranstaltung Jahresprojekt „Gegen das Vergessen, für die Zukunft – Mensch sein“

Grußwort
der Ministerin für Schule und Weiterbildung
des Landes Nordrhein
Westfalen,
Sylvia Löhrmann
Vielen Dank für Ihre Einladung
zu dieser Auftaktveranstaltung mit dem schönen und
vielsagenden Titel „Gegen das Vergessen, für die
Zukunft – Mensch sein“.
Der französische Historiker Pierre Nora definierte den
sogenannten „lieu de mémoire“, den Erinnerungsort, als
Raum, an dem sich das kollektive Gedächtnis einer
sozialen Gruppe kristallisiert.
Ich denke, ich bin hier
in
solch einem Erin
nerungsort, und ich bin sehr gerne
hier!
Und ich bin
beeindru
c
k
t
, was
Sie hier
an der Realschule
Waltrop im Bereich „Politische Bildung
Erinnerungskultur“ leiste
n
.
Z
um Beispiel mit
dem
überzeugenden
Projekt des SoWi
Kurses 10.
Hier
haben
Mitschülerinnen und Mitschüler
in einem
fächerübergreifenden Projekt für die zentrale Botschaft
des Grundgesetzes, für mehr Vielfalt, Zivilcourage und
Toleranz geworben.
Was mir besonders gut gefällt
:
Sie
begegne
n
dem Thema nicht nur auf inhaltlicher,
sondern auch auf künstlerische Ebene.
W
enn
Jugendliche etwas künstlerisch umsetzen, haben sie es
3
anders verinnerlicht.
D
as ist ganzheitliches Lernen in
bestem Sinne.
Ich bin gerade an Stationen auf dem Marktplatz vorbei
gegangen und freue mich
jetzt schon
auf die
P
räsentationen im Anschluss.
Und ich find
e d
ie Idee, eine Installation „Mensch sein“
als Fazit der Ausstellung zu wählen und damit
gleichzeitig den Bau einer Steele aus individuell
beschrifteten Steinen zu errichten, die dann als
Mahnmal in der Schule dienen kann,
hervorragend und
sehr nachhaltig
.
Vorbildlich finde ich auch den Ansatz über die
persönliche Begegnung mit Sally Perel, als Zeitzeug
e
hier in Waltrop Geschichte lokal erfahrbar zu machen.
Daher möchte ich Ihnen danken. Ihnen,
Frau Müther
,
als engagierte Schulleitern, die diese wichtige
Inhalte
so nachdrücklich an Ihrer Schule verankert, sondern
auch Ihren engagierten Fachkolleginnen, und
Projektleiterinnen, Frau Nauen und Frau Polzin
und
allen beteiligten Schülerinnen und Schülern
.
4
S
o
, wie Sie arbeiten,
k
ö
nn
en
und w
e
r
d
en
die
Sensibilisierung für die Unmenschlichkeit
der NS
Zeit
und auc
h ein Gegenwartsbezug gelingen.
Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die
Fragen: Was ist Menschenwürde und was ist
Menschenunwürde? Wo kann ich für mein eigenes
Handeln Rückschlüsse ziehen? Wo beginnt die
alltägliche Ausgrenzung e
ines Menschen?
Es ist wichtig und notwendig
, dass Schülerinnen und
Schüler
n hierauf Antworten finden und zwar Antworten
im Sinne einer
ich nenne es in Anlehnung an den
Wissenschaftler Harald Welzer „reflexive
n
Erinnerungskultur“
.
Konkret: Jede Schüler
in und jeder Schüler kann im
Alltag mitreden und auch seine Meinung vertreten.
In
Achtung und Respekt vor
den kulturellen Wurzeln und
den Meinungen anderer.
Wenn
dies an jed
er Schule
im vollen Wortsinn ge
lebt
wird
, dann entsteht ein
nachhaltig wirkendes
D
emokratieverständnis, das zukunftsgerichtet erhalten
werden kann.
5
So können unsere Kinder und Jugendlichen
wie wir alle
aus grauenhaften Fehlern der Menschen lernen
,
u
nd
sich für die Zukunft, für Menschlichkeit, für „Mensch
Sein“ einzusetzen.
Dazu gehört
für mich Zivilcourage, Respekt,
Verantwortung und Wertschätzung untereinander.
Sie merken: Die Themen politische Bildung und
Erinnerungskultur liegen mir besonders am Herzen. Das
Schulministerium hat daher ein Konzept zur politischen
Bildung vorbe
reitet, dass nunmehr in die Breite
getragen werden soll. Dafür finden zurzeit Gespräche
mit
wichtigen
Partnern statt. Gemeinsam wollen wir
in
Kooperation mit der Landeszentrale für politische
Bildung
eine Bildungspartnerschaft NRW zwischen
Schulen und Gedenkstät
ten ins Leben rufen. Ich lade
Sie alle herzlich ein, auch Teil dieser Partnerschaft zu
werden.
Erich Fried sagte einst
„Ich will mich erinnern, dass ich
nicht vergessen will […] Denn ich kann nicht denken,
ohne mich zu erinnern“.
Ja.
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Wir müssen erinnern
das ist Kern eines
demokratischen Bewusstseins von Achtung,
Wertschätzung und Verantwortung und Basis eines
gemeinsamen gesellschaftlichen Miteinanders in Würde
und mit gegenseitigem Respekt.
Vielen Dank!